Notizen

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von Samuel Hamen
März 21, 2018 / 0 Kommentare

28.07.2018 // Literatur zwischen Relegation und Relevanz … Was helfen könnte: ihre historisch antrainierte Selbstreflexion als kritischen Bonus nutzen, um den eigenen Konstruktionscharakter als Trumpf auszustellen, um auf diese Weise die Mechanismen der Überzeugung, der Publikumsfokussierung, der tropischen Indienstnahme, der manipulativen Regelsetzung und der diegetischen Verführung aufzudecken. Hierüber kann Literatur ihre politische Relevanz aufzeigen, und das auf weit klügere und wirksamere Weise als über die mimetische Abbildung von gesellschaftlichen Missständen qua gängigem Realismus:

„Dichtung ist und bleibt ein, wenn auch höherer, Schwindel. Ich lege Wert darauf, das zum ersten Mal ausgesprochen zu haben. Menschen gestalten, heißt: sie fälschen.“ (Walter Serner)

„Oft sind die Romane, die am einladensten zu sein scheinen auch jene, die uns unbemerkt am stärksten kontrollieren. Wnen ein Schriftsteller den abwesenden Leser anredet, handelt es sich nie um eine wirkliche Unterhaltung. Genauso entpuppen sich Schriftsteller, die versuchen, den Leser in die Gestaltung des Textes einzubeziehen, als wahre Diktatoren.“ (Adam Thirlwell)

16.07.2018 // gelesen: Melissa Broders „Fische“, am Lesen: Helmut Kraussers „Geschehnisse während der Weltmeisterschaft“ … Beide scheitern am Projekt, Sex und / bzw. als Pornografie zu literarisieren, nicht weil sie es nicht als problematisch erachten, sondern weil sie diese Problematisierung nicht an ihr Medium anpassen können – bzw. das Medium nicht an ihren Gegenstand. Sie schreiben über die Lust, das Herzeigen, die Verfügung und die Körper, ohne zu berücksichtigen, dass jeder literarische Text auf seine Weise ebenso der Lust, dem Herzeigen, der Verfügung und der Körperlichkeit unterworfen ist, um seinen Gegenstand zur Darstellung zu bringen. (Gerade die authentizistische Literatur ist dieser Logik in fast schon perverses Intensität unterworfen, weil sie in gnadenlosem Lustzoom auf das Fleisch des Realen hält, ohne Hülle, ohne Verzögerung, ohne Schatten.) Bei Broder und Krausser bleibt nichts als argumentative Kritik, die in jeder Talk-Show und in jedem Missy-Magazin-Essay stehen kann; eine formal-ästhetische Kritik, die Innovationsmotor für ein Textprojekt sein kann, weil sie produktiv ihr Thema mit dem eigenen Kunstkörper kurzschließt, um beidem adäquat zu begegnen, leisten beide hingegen nicht, Broder mutmaßlich, weil sie zu sehr der schnellen und kurzen L.A.-USA-Unterhaltung verpflichtet ist, die wenig mehr als plakative Verhandlung kennt (das zeigt sich auch in Broders Tweets, mit denen sie überhaupt erst bekannt wurde), Krausser mutmaßlich, weil er zu gerne viril flucht und zu gerne polemisch stört, um derart seine narzisstische Autorschaft zu pflegen. In „Geschehnisse während der Weltmeisterschaft“ werden diese Manöver diskursiv an #metoo, Körperkult und Sexwahn gekoppelt. Tatsächlich wirkt das wie der etwas jüngere Buchbruder von Martin Walsers „Gar alles oder Briefe an eine unbekannte Geliebete“: zwei Bücher, geschrieben von Autoren, die hilflos versuchen, einem Thema, das ihre poetologische Perspektive übersteigt und ihre Stilflexibilität überfordert, Herr zu werden. Das disqualifiziert freilich nicht alle männlichen Autoren, sich dieser Sujets anzunehmen; es entlarvt lediglich jene, die daran scheitern, ihr Schreiben adaptiv an die Gegenwart anzupassen.

14.07.2018 // Den 25. Open-Mike gewinnen zwei Texte, die Migration als Sujet-, nicht als Formfrage verhandeln, beide Mal wird sie erzählerisch komprimiert auf einen traumatischen biographischen Werdegang: Ralph Tharayil (Das Liebchen) und Mariusz Hoffmanns Dorfköter. Bei den 42. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt frohlockt die Jurorin Nora Gomringer nach der dritten Lesung des zweiten Tages: „Endlich Literatur!“ Gelesen hatte die spätere Gewinnerin des Hauptpreises Tanja Maljartschuk, sie trug einen Text über Flüchtlinge und Migration vor. Gomringers Ausruf ist vielsagend: Alles Vorherige, das heißt die Texte von sieben Autoren und Autorinnen, sind keine Literatur. Zum alleinigen Kriterium, welchem Text der Status von Literatur zukommt, wird ein Argument Westermannscher Einfachheit: Eine Geschichte! Finalement werde aus dem Leben erzählt. In gewissem Sinne ist es eine begriffspolitische Frage: Welchen Literaturbegriff wollen wir als gültig einsetzen? Welche Kategorien müssen erfüllt sein, damit ein Text das Prädikat bekommt? Wirklichkeitsnähe, realistische Relevanz, gesellschaftspolitische Bezugnahme? Und welche Kategorien exkludieren einen Text von vornherein als literarisch? Der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels jedenfalls resümierte am Ende von Klagenfurt 2018 resigniert, dass „das Experimentelle“ in diesem Jahr nicht im Vordergrund gestanden hätte. Synonyme dafür wären: das Formwagnis, das Anti-Realistische, das ästhetisch Vernarrte, das Schwebende. Wiebke Porombka empört sich bei ZEIT ONLINE völlig zurecht darüber, dass jene Texte, die sich an dem sog. Experiment versuchten, durchgehend ignoriert wurden:

„Wie kann es sein, dass Texte wie jene von Stephan Lohse, Stephan Groetzner oder auch der Jakob Nolte nicht unter die sieben Nominierten der Shortlist gekommen sind? Das ist, milde gesagt, eine Farce. Und das nicht nur, weil neben Groetzners absurd witzigem, lyrisch ebenso dichtem Text Destination: Austria auch Noltes kluger und mit zahlreichen Metaebenen spielender Text jenseits von geschmäcklerischen Urteilen unbedingt preiswürdig gewesen wäre.“

Das sind nur die beiden jüngsten Beispiele, die Liste ließe sich leichthin erweitern, wenn man sich die Wettbewerbe / Bucherfolge der letzten Jahre anschaut. Moritz Baßler und Heinz Drügh bringen die entlarvende Mechanik dahinter auf den Punkt:

„Der sozialromantische Gedanke, das wahre Leben spiele sich dort ab, wo wir middle-class white kids jeweils gerade nicht sind – im vierten Stand, bei den Arbeitern, im Ghetto (Rap!), bei den Queers – hat eine lange Tradition. Wo er Literatur wird, tendiert er mitunter zu attraktivem Kitsch“. (Pop. Kultur und Kritik, Heft 5, Herbst 2014)

Diesem „attraktiven Kitsch“ (vgl. auch Winklers „Hool“), legitimiert aufgrund seiner Aktualität,  frönt die Literatur der letzten Jahre beständig. Neben der Kommentar- und Begleitfunktion  zum politischen Diskurs seit + – 2015 würde ich einen zweiten, buchmarkt-bezüglichen Grund nennen, wieso diese Thematiken gerade exklusiv in sind, auf eine so aggressive Weise, dass sie andere delegitimieren als Geplänkel, Textspiel, Verkopfheit. Es geht schlichtweg um Verkaufsrelevanz, um attraktive, aktivierende Stoffe, auf die die Verlage / Agenturen / Buchhandlungen sich immer mehr stürzen, weil sie zum letzten Garant des Absatzes geworden sind, Stichwort: Buchkrise.

In den Kritiker-Fragebögen, die VOLLTEXT Kritiker und Kritikerinnen vorlegt, gab es auf die Frage, was die Herausforderungen für die Kritik heute seien, folgende Antwort: „Eine panische literarische Überproduktion. Ein sich aus dem ganzen Verlustzusammenhang ergebender systemischer Konformismus.“ Auch das bedingt die Monolithisierung der Gegenwartsliteratur, die zugleich eine Diskreditierungslogik hineinschmuggelt.

17.05.2018 // Hergedachtes und Hingeschriebenes zu Christian Krachts 1. Poetik-Vorlesung in FFM: auffällig, wie sehr die journalistische Kritik Krachts Auslassungen gegen sie als richtig und angebracht anerkennt, wie sie schuldbewusst und in so einer merkwürdig katholischen Lust nickt und bekennt: Ja, stimmt, diesen „Dandy-Schmäh“ und „Camp-Unsinn“, mit dem wir die Persona Kracht belegt haben, haben wir in die Welt gesetzt, das war ein Fehler. Sorry dafür, und nein, nie hat er ironisch gesprochen, nie hat er post-modern vor sich hin geschummelt.

Dabei geht es doch darum, dass jahrelang ein Code bedient wurde (und nach wie vor wird), von allen Seiten her, auch von Kracht mit seinen kosmopolitischen Leinenhemd-Texten aus Thailand, ebenso von den Kritikern, die zurecht auf Kontinuitäten zum New Journalism etc hinweisen, auf Dandy-Attitüden, ähnlich denjenigen etwa von Tom Wolfe. Diese Verlinkungen gelten nach wie vor, sie tangieren nun einmal jeden / jede, der / die in einen so inszenatorisch zugekleisterten Raum wie denjenigen des Literaturbetriebs eintritt. Das lässt sich nicht durch Verschmähung einfach so verwerfen.

Nachdem jahrelang über die persona Kracht gegrübelt wurde, haben wir es jetzt vermeintlich mit der Person Kracht zu tun, wenn das in der medialisierten literarischen Kommunikation überhaupt möglich ist: ein unverstellter Zugriff auf eine Person. Aber wenigstens gibt es hier eine klare forcierte Verschiebung hin zu ebendieser. Die Biographisierung eines Werks wird vorgenommen, eines Werks, bei dem Interpreten jahrelang mantrahaft-neurotisch versucht haben, die absichtsvoll gesetzte Nähe zwischen Erzähler und Autor zu spreizen. Und genau das wird von Kracht als analytisch-schwurbeliger Faux-Pas ausgelegt: Es ging mir immer um’s Leben, um meine Lebenserfahrungen. Das ist sehr ehrlich in seiner Offenheit, die man gerade diesem Trickster Kracht nicht zugestehen wollte; zugleich ist es textstrategisch witty, weil es die maßgeblichen Lese-Kategorien Leben / Biographie aktiviert, um die Leserschaft sowohl zu irritieren wie auch zu verpflichten.Und es geht auch gar nicht darum, CK’s Bericht über seinen Missbrauch als 12-Jährigen zu relativieren und zur Show zu deklarieren. Im Gegenteil, es geht zuerst darum, diese Artikulation abseits hermeneutischer Verwertungszusammenhänge anzuerkennen, als das was es ist: als mutiges Sprechen in den öffentlichen Raum hinein, das hat etwa Lena Vöcklinghaus schön formuliert. Und in einem zweiten Schritt können die, die denn wollen, diese erste Poetik-Vorlesung auf ihre interpretatorischen Implikationen hin bedenken. Und in diesem zweiten, von mir aus gerne als funktional oder kaltherzig zu erachtenden Schritt, kann man feststellen: Kracht bindet erneut, in einem neuen rezeptionsästhetischen Modus, die Aufmerksamkeiten auf sich; sein Werk wird noch autorzentrierter als es längst ist, er bestimmt maßgeblich mit, wie diesem Werk beizukommen ist – und wie nicht. Die vermeintliche Klarheit, die die erste Vorlesung geschafft hat, ist auf den zweiten Blick eine opake Trübung: Es wird noch schwieriger (und irgendwie auch anstrengender / mühsamer / nerviger ) diesem Schreiben beizukommen. (Zu dieser Verkomplizierung, die auch aus dem Bekenntnis hervorgeht, als einziger Kritiker Einwände formulierend: Winkels im DLF: Die Kritiker seien nicht auf die Rolle des „Diagnostikers“ und „Therapeutens“ zu reduzieren. Wiele in der FAZ sprach immerhin mit dem Germanisten Steffen Martus von einer „Werkpolitik“, die sich hier Bahn bräche.) Zu dem ganzen Thema Malchow im Text + Kritik-Band:

„Kracht hat ein irres Talent, selbst positive Erwartungen an seine Arbeit mit großer Lässigkeit zu unterwandern. Und dieses Spiel, das mehr ist als Ironie – Ironie ist eigentlich ein viel zu einfacher Begriff dafür –, diese subversive Unterwanderung von Erwartungen, auch von Ironieerwartungen, das hat etwas zu tun mit seinem Kunst- und Künstlerverständnis, das man literaturtheoretisch als eine überraschende Wiederaufnahme früh- romantischer Traditionen beschreiben könnte. Romantik also im radikalen Sinne verstanden. Literatur und Künstlertum aus einer radikalen Autonomie heraus, die in der Lage ist, der Welt, wie sie ist, die Stirn zu bieten allein durch die Mittel der Kunst. Das macht Christian Kracht in einer so radikalen und intellektuell ambitionierten Weise, dass er in dem hermeneutischen Wettrennen mit Kritikern und Rezensenten, selbst mit den wohlwollenden, die auf das nächste Buch warten, immer schneller ist als diese.“

Zugleich ist die existenzielle Rückführung seiner fehlerhaften männlichen Figuren auf den eigenen Missbrauch, auf das Initiationserlebnis in eine hässliche Welt für gewisse Germanisten / Ausleger / Exegeten sicherlich eine Art narzisstische Kränkung: Alle Theorien, die abseits des Biographischen und Psychoanalytischen operieren, haben plötzlich einen Makel, weil sie diese Scharnierstelle, die so ehrlich, triftig und punktgenau eingerichtet wurde, nicht berücksichtigen dürfen. Schließlich sind Biographismen verpönt / verrucht.

04.05.2018 // Kritik auf SPON zu „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ von Karosh Taha, Tonus: gut, aber indem die Erzählerin kurdische Männer als „Affen“ bezeichne, spiele sie dem AFD-Stammtisch den Ball zu. Was, bringt man den Einwand produktiv-restriktiv beim Schreiben ein, darauf hinausläuft, dass kurdische Männerfiguren entweder nicht mehr behaart sein dürfen, oder dass sie es zwar sind, die Körperhaardichte aber keine Erwähnung mehr finden darf. Tatsächlich eine asthmatisch kurze Denkreichweite – die „richtige“ Weise zu schreiben, schleicht sich schon in die vordergründig ästhetisch bedingten literaturkritischen Einwände ein. Dabei sind nicht affenartig behaarte oder wachsglatt polierte kurdische Männerfiguren, wie sie in einem guten Roman auf reflektierte Weise beschrieben werden können, das Problem. Das Problem ist der AFD-Stammtisch, der glaubt, dass das ein Problem sei und sich weltanschaulich bestätigt sieht, wenn er so etwas liest, sowie eine selbstamputierende Denke im Literaturbetrieb, welche dieser dünnschissigen Problematisierung auf krude Weise Vorschub und Folge leistet.

15.04.2018 // Der gruselige Effekt, wenn sich die Ebenen verschieben, wenn Nicht-Vorhandenes zum Maßstab, zum Gesprächsanlass, zum Ordnungsmoment wird und darüber doch geisterhaft einwirkt. Backlash der Fiktionen, Setz in Bot: „Höchst beunruhigendes Gespräch mit einer Frau, die ihre Tochter als Indigokind bezeichnet und mir erklärt, es sei mit ihr „wie in dem Roman“. […] Mit zunehmendem Unbehagen versuchte ich sie zu überzeugen, dass ihre Sicht auf ihre Tochter Unsinn sei, aber das war vollkommen unmöglich.“ … Kafka in seinen Tagebüchern: „Trotzdem ich dem Hotel deutlich meinen Namen geschrieben habe, trotzdem auch sie mir zweimal schon richtig gecshrieben haben, steht doch unten auf der Tafel Josef K.“ … Und im abseits des Drehs normal bewohnten Haus des Bergdoktors stehen immer die Familienfotos der Figuren, um „Fehler“ bei Wiederaufmöblierungen zu vermeiden – und darüber wird der andere Bereich fehlerhaft, verschandelt mit grinsenden Schauspielern.

Als kleiner Trost am Ende, Setz, der sich mit Canetti behilft: „Das alte Canetti-Zitat kam mir in den Sinn, dass ein guter Autor seinen Figuren erst dann in der Wirklichkeit begegnet, nachdem er sie erfunden hat. So wie Canetti das formuliert, klingt es direkt wie etwas Angenehmes.“

10.04.2018 // Against Storytelling, Beckett: „There’s my life, why not, it is one, if you like, if you must, I don’t say no, this evening. There has to be one, it seems, once there is speech, no need of a story, a story is not compulsory, just a life, that’s the mistake I made, one of the mistakes, to have wanted a story for myself, whereas life alone is enough.“ Auch Bernhard: „In meiner Arbeit, wenn sich irgendwo Anzeichen einer Geschichte bilden, oder wenn ich nur in der Ferne irgendwo hinter einem Prosahügel die Andeutung einer Geschichte auftauchen sehe, schieße ich sie ab.“

05.04.2018 // Zwillingszitate: Georg Heym, November 1911, aus dem Gedicht Die Morgue: „– Daß ein Kind kann zerballen / Unsere Größe dereinst / In der dürftigen Faust.“ … Franz Kafka, April 1912, aus den Tagebüchern: „Vollständiges Erkennen seiner selbst. Den Umfang seiner Fähigkeiten umfassen können wie einen kleinen Ball. Den größten Niedergang als etwas Bekanntes hinnehmen und so darin noch elastisch bleiben.“

02.04.2018 // „Nikolaj erklärt der Kristeva auf Bulgarisch, dass er den Freund von Hamed beschattet hat. Er hat bei ihm alles durchwühlt (diesmal ohne größer zu stören), und es steht fest, dass da keine Kopie ist. Aber etwas Eigenartiges gibt es schon“. (Aus: Die siebte Sprachfunktion, 2015) … „Eben ist bekanntgeworden, dass die französisch-bulgarische Intellektuelle Julia Kristeva in den siebziger Jahren für den bulgarischen Geheimdienst gearbeitet hat.“ (Aus: NZZ-Meldung vom 1. (!) April 2018) … „Die Kristeva überlegt.“ (Aus: Die siebte Sprachfunktion, 2015)  … „In Paris wurde sie nach einigen informellen Treffen am 19. Juni 1971 offiziell als Informantin registriert. “ (Aus: NZZ-Meldung vom 1. (!) April 2018) … „Die Kristeva seufzt. Sie geht mit ihm zu den Schachspielern hinüber.“ (Aus: Die siebte Sprachfunktion, 2015) … „Der Führungsoffizier vermerkte optimistisch, Kristeva verfüge über gute Möglichkeiten, ‚in unserer Linie mit französischen Kulturschaffenden zu arbeiten‘.“ (Aus: NZZ-Meldung vom 1. (!) April 2018) … „Die Kristeva schließt daraus, dass er versucht, mit Searle in Kontakt zu treten. […] Die Kristeva legt ihrem Mann die Hand auf die Schulter und brüllt ihm ins Ohr: ‚Ich muss in die USA.'“ (Aus: Die siebte Sprachfunktion, 2015) … „L’information suivant laquelle j’aurais été membre des services secrets bulgares sous le nom de Sabina n’est pas seulement grotesque et fausse.“ (Aus: Persönliche Meldung auf Kristevas Homepage, April 2018) || Was denn nun? Behauptung versus Behauptung versus Behauptung; die eine will man lesen, die andere glauben, die letzte zurückweisen. Aber alle stehen sie neutral, als schwarz-weiße Lettern, als ein mal neckisches, mal resolutes So-war-es-doch, auf den Bildschirmen und Bücherseiten. Und am Ende steht keine errungene Klugheit, bloß eine ungewollte Komik: weil so vieles ineinandergreift, wie bei einem Maschinenwerk, das nicht planvoll, nur zufällig reibungslos und über alle Wissens- und Fiktionsgrenzen hinaus funktioniert.

27.03.2018 // „Sich des Vergessens zu bemächtigen ist kaum mehr als eine Geste, aber eine, die hinsichtlich meiner Theorie der Literatur konsequent wäre, zumindest hinsichtlich meiner Verachtung der Erinnerung als Instrument des Schriftstellers. Das Vergessen ist viel reicher, viel freier, viel mächtiger. […] Die Erinnerung hingegen ist ein nur nützlicher Akt, zusammengestaucht auf die Idee, etwas erneut vor Augen führen zu müssen. Ich vermute, dass wir in den meisten, wenn nicht in allen Fällen, etwas nur vergessen wähnen, was in Wirklichkeit nicht passiert ist. Wir haben gar nicht vergessen. Das Vergessen ist reine Empfindung.“ Aus: Die Schneiderin und der Wind von César Aira || auch der erste Satz von George Perecs „W oder die Kindheitserinnerung“: „Ich habe keine Kindheitserinnerung.“

20.03.2018 // Vom Slogan zur Story: „Am Anfang der Werbetexte, wie wir sie kennen, war der slogan. Er setzt anstelle der schnell verbrauchten sprachlichen Konvention des Reims die Prägnanz der Banalität bis hin zur Tautologie. Die Idee des slogans ist seine Ewigkeit, seine Dauer. Der Urslogan heißt ‚AMEN‘.“ (Michael Schirner, 1988). Jetzt, 30 Jahre später, heißt ein Mantra der Werbe-Industrie: „Facts tell, stories sell.“ Die „Prägnanz der Banalität“ wird eingetauscht mit der Emotionalität der Geschichte, in der sich jeder / jede, anders als beim slogan, bei dem die simple klangliche oder strukturelle Idiotie ewig im Ohr hängen blieb, hineinfühlen & hineinerzählen kann. Der Möglichkeitsraum des Narrativen steht mehr Leuten zur Verfügung (gut), er bietet aber zugleich und ausschließlich eine ökonomische Erzähloption (schlecht): Die Krankenkasse X berichtet etwa auf riesigen Postern von Musiklehrer Otto, der das und das überlebt hat, und vor Freude jetzt seine Oboe wie eine neue Liebe umarmt. Und Bank Y lockt in wunderhübschen Spots damit, dass das dort geliehende Geld helfe, eine zuckergussig tolle Lebensgeschichte zu entwerfen: mit Haus, Auto und Urlaub. Implizit wird mitgeteilt: Wer kein Geld von uns nimmt, wird nichts erleben und also nichts zu erählen haben. Ein Verweis darauf, dass dem Erzählen immer etwas Unzuverlässiges / Manipulatives innewohnt, ist bei derlei narrativen Service-Lockungen natürlich unangebracht. Und so erzählt sich jeder munter und vermeintlich singulär weiter und weiter und entwirf sich als Marke, die, na klar, anderer Marken bedarf, um sich selbst auszustatten. Folge: Unendlicher Story-Kreislauf, bis hin zur völligen Entleerung kritischen Erzählens, das beweisen kann / könnte, wie abseits kapitalistischen Mainstream-Identitätsentwürfen vom Ich / von der Welt erzählt werden kann / hätte erzählt werden können.

15.03.2018 // Das Computerspiel ist der neue Pop-Song, es dient in immer mehr Romanen als Ausweis dafür, wie man aufwuchs, welcher Weltanschauungsclique man angehörte, welchem Code man folgte; nachzulesen u. a. bei Erstlingen von Autoren und Autorinnen, die allesamt in den 80er geboren sind: Juan S. Guse, Janko Marklein, Tijan Sila, zuletzt bei Josefine Rieks, deren leider mittelmäßiger „Serverland“ u. a. von Thomas Lindemann in der FAS hochgehalten wurde. Bei Wiki ist zu lesen: „T. L.  hat er als einer der ersten Journalisten im klassischen Feuilleton einer Zeitung über Computerspiele geschrieben.“

10.03.2018 // Stenotypistin 1929 darüber, wieso sie abends nichts liest, wegen vermeintlicher „Lesekrise“ und so:

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Dazu Friedrich Kittler trocken-toll: „Die Nacht des Spielfilms mit ihrem listig simulierten Bildfolgenkontinuum darf Wunden wieder schließen, die die Schreibmaschine, dieses Musterbeispiel moderner und das heißt ruckhaft diskreter Datenverarbeitung, den Augen tagsüber beigebracht hat. Literatur jedenfalls tauch nicht auf; sie verschwindet im Loch zwischen einer Arbeits- und einer Freizeitmaschine.“

03.03.2018 // „Die eifrigste Bettgefährtin des Patriotismus war Unwissenheit,  nicht Wissen.“ Aus: England, England von Julian Barnes

18.02.2018 // „Das wahrhaft Unerklärliche kennt nur einen Tempel, die Massenmedien.“ Aus: Wie ich Nonne wurde von César Aira

16.02.2018 // Paul Verlaine über Textfindung: „Der Fug und der abschließende Zusammenklang der voneinander unabhängigen Eigenschaften, die es zu verweben gilt, werden nie durch ein Rezept oder einen Automatismus erzielt, sondern durch das Wunder oder schließlich und endlich durch Bemühung – durch Wunder im Verein mit Bemühungen, die ein Wille trägt.“

11.02.2018 // Das Erstmaterial von Literatur wird, wie alles, wie jeder, von den digitalen Großkonzernen anvisiert, und es beginnt unverhohlen mit den Namen und Logos: Bei Amazon führt vom ersten a zum z ein Pfeil, angezeigt wird der Totalanspruch, mit dem alles abgedeckt, alles bestimmt, alles genutzt werden möchte. Google gründete 2016 eine Dachgesellschaft, die alle Forschungsbereiche, Start-Ups und Wirtschaftszweige bündelt, sie heißt Alphabet. Und Apple erhebt mit seiner biblischen Frucht, dem Beginn der Erkenntnis, ähnlich weltumspannende Ansprüche. Dass diese Einverleibungsidee, auf allen, auch artistischen Feldern mitzuwirken, sich auf den kleinen üblichen Alltag niederschlägt, zeigt die Nutzung der Browser. Wer nicht gesondern einstellt, dass ihm bestimmte URLs nicht vorgeschlagen werden sollen, wird nach dem Eintippen eines einzigen Buchstabens mit den big players und deren Ansprüchen konfrontiert: a leitet zu Amazon weiter, e zu Ebay, w zu Wallmarkt, g, natürlich, zu Google. Das lässt sich, schön und zuverlässig, 26mal durchführen. Und ja, dem Buchstaben ist nach wie vor sein Zeichenhaftes eingeschrieben. Bloß ist dieses semiotische Potential ökonomisch kanalisert worden: steht für Amazon, nicht mehr für den Beginn der Welt, für den Beginn des literalen / literarischen Sinns. & wenig scheint verlockender / schwieriger, als eine buchstäbliche (künstlerische) Freiheit abseits dieser Vermarktung / Funktionalisierung zu finden.

02.02.2018 // über Leid & Glanz des Storytellings: „One day baby, we’ll be old. Oh baby, we’ll be old. And think about all the stories that we could have told.“

Es wird nach vorne gedacht, um von der zukünftigen Position aus zurückzublicken, zurück in eine von dort als karg empfundene Lebenszeit. Der Konjunktiv II steckt uns bereits in den müden Knochen. Wir wissen, was wir anstellen können / müssen, was wir an Stories (als Beweis für ein gutes, intensives Leben) anhäufen sollen, tun es nicht und werden uns später an unserer damaligen Untätigkeit laben. movie

Stattdessen hören wir im Hier & Jetzt einen Song, der uns vor Augen / Ohren führt, was umgesetzt werden sollte, einen Song, der zugleich sein eigenes Anliegen konterkariert. Wer ihn schreibt / singt / hört / kommentiert, grübelt vor sich und wird gerade nicht story-tätig.  „One day“ kreiert eine melancholische Schleife, die erst den Boden für jenen Zustand bereitet, der dann in den eigenen Lyrics beklagt wird. Der Song bringt sein eigenes (besingenswertes) Leid hervor.

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Zeichnung von Richard Pfeiffer, in: Jugend 16/1911

Ganz ähnlich auf dieser Zeichnung aus der Kulturwochenschrift Jugend von 1911. Der lesende Jüngling, der rücklings an die Grübelei angeschnallt ist und sich nach dem flatternden Leben sehnt, umso mehr, je länger er über eben dieses in seinem Buch gelesen hat. & die Frage, wer man sein will: der seufzende Leser, der unbeschwerte Beisteher oder der Schmetterling, der sich dadurch auszeichnet, von nichts eine Ahnung zu haben außer von der Weise, wie man sich falterleicht durch’s Blau bewegt.

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bzgl. Gomringer / Waterhouse etc., zu lang, egal: Eigentlich wird eine sinnvolle / notwendige Debatte bezüglich der sexistischen personalen / publizistischen / finanziellen Aufstellung des Kulturbetriebs, sei es in Film / Theater / Literatur, über den schwierigsten aller Wege geführt: über den ästhetisch-interpretativen. Die tatsächlich fragwürdige und diskussionsrelevante falsche Verteilung im Kulturbetrieb wird darüber angesprochen, dass über die vermeintlich falsche Repräsentation innerhalb des Kunstwerkes geredet wird: Der männliche Schreibblick sei sexistisch, der männlich, weißgeführte Pinsel sei sexistisch usw. Hinzu kommen identitäre Anprangerungen, denen letztlich ein authentizitisches Denken zugrunde liegt: Der weiße Mann darf nicht über Y schreiben, sonst eignet er sich etwas Fremdes an, manipuliert es, nutznießt in einer kaschierenden postkolonialen Logik nach wie vor von Machtverhältnissen, die es doch eigentlich abzuschaffen gilt. Dabei handelt es sich primär um eine strukturelle Frage, die aber als ästhetische verhandelt wird, weil letzterer Modus qua Interpretation freiere Argumentationen und Zuweisungen zulässt. Am Ende aber wird die hermeneutische Offenheit zugunsten der eigenen, verabsolutierten Interpretation verraten: Ich sehe in X einen sexistischen Akt, deswegen ist dieses Gedicht / Gemälde untragbar. Andere Meinungen, die sich derselben Methode, der gegenstandsnahen Interpretation, bedienen, werden verworfen, ihre Anwender gebrandmarkt: Mit deiner anti- oder a-sexistischen Interpretation verstärkst Du bloß den falschen Diskurs. In dieser Logik kann es nur eine richtige Positionierung geben, diejenige auf Seiten der Erneuerer / Kritisierer, die darüber letzten Endes ihr eigenes Anliegen schwächen. Schließlich gäbe es ausreichend viele Leute, die grundsätzlich für einen faireren Betrieb, insbesondere in gender-Fragen, einstehen würden, würde man sie bloß nicht über die Vereinnahmung des Kunstwerks verschrecken. Die Gegner von avenidas et al. bestreiten eigentlich in letzter Konsequenz (wenn sie sich selbst bis dahin bedenken) die Autonomie des Kunstwerkes, sie sehen in ihm ein Abbild einer sozialen unfairen / rassistischen / sexistischen Realität. Das ist dahingehend nicht falsch, als das Panzerargument der totalen Kunst, die immer etwas Unverfügbares behält gegenüber dem Weltlichen, ein Konstrukt der letzten Jahrhunderte ist, und ebenso auf einer schiefen Prämisse beruht, nämlich dass Kunst einen Platz / Zustand / Wert außerhalb der niederen Gesellschaft innehabe. Das ist auch eine Art der ästhetizistischen Verherrlichung: die Inthronisierung der Kunst als Unbelangbares. In den Interpretationen, die in den Kunstwerken und ihrer Rezeption nun ein falsches Denken / Abbilden erkennen wollen, kippt das Zusammenspiel. Kunst wird dazu genutzt, durch sie hindurch ein nicht-ästhetisches Argument vorzubringen, als schöner Schein wird sie dazu gebraucht (einige sagen: missbraucht), einen völlig legitimen & wichtigen Punkt zu machen, der aber keine ästhetische Qualität besitzt – und dementsprechend nicht unter ästhetischen Gesichtspunkten verhandelt werden sollte. (Die Gegner wiederum sagen an dieser Stelle: Die Kunst zeigt, wie die Welt ist, und die Welt ist schlecht, also müssen wir auch über schlechte Kunstwerke reden!) Dieser schiefe Weg hin zu einem guten Ziel ist das eigentliche Problem bei avenidas et al. Zugleich ziehen sich alle auf ihre extremen Kategorien zurück, aus denen heraus notwendigerweise alle frontal aufeinanderstoßen: hier die vermeintliche Kunstfreiheit, dort der behauptete Sexismus. Beides wirkt unvereinbar, weil beides jeweils als totale Kategorie gedacht wird. Annäherung, Kompromiss, Eingeständnis – all dies wird gerade nicht bemüht, am ehesten noch bei dem avenidas-Streit, der ja im Rahmen eines partizipativen Prozesses vieles richtig gemacht.

01.02.2018 // Nachtrag zur Hyperironie: Freund JG meinte, dieser ‚Schwachsinn‘ gleiche von der Denk- und Präsentierlogik den übelsten Kosmetik-Produkten mit ihren vermeintlich neuen, tatsächlich ewig gestrigen Kampagnen, in  denen Ultra- und Mega- und Terra-Volume-Mascara beworben werden, weil die Industrie eine einzige Sache kaschieren muss, deren Preisgabe ihr ganzes Modell kollabieren lassen würde: dass sie nichts Innovatives zu sagen haben, längst nicht mehr. Und jede rangepappte Steigerungsformel sei ein Beispiel der totalen, sichtbaren Hohlheit des verkündeten Produkts. Zugleich müsse man sich eingestehen, dass gerade dieses Sprechen / Werben tüchtig vor sich hinfunktioniere. Der Markt wird bedient, die Kunden kommen, nie waren die dm-Schlangen länger.

31.01.2018 // Der Nomadismus ist auch (und insbesondere?) eine kapitalistische Ideologie: Flexibilisierung, Dyamisierung, Freizügigkeit. Überall sein, nicht um dort zu leben / zu denken, sondern um dort zu arbeiten / produktiv zu sein. Die Namen sprechen Bände: mit dem KLM CITY HOPPER rumdüsen, dann in den VW TOUAREK steigen, später in den INTERCITY springen. Die Bewegung ist längst zu einer Zuarbeit geworden. Deswegen: Skepsis hegen, der erste Satz von „Traurige Tropen“ lautet: „Je hais les voyages et les explorateurs“. Dabei bleiben. Dieses triefend schlechte „mobil“-Blatt der DB interviewte mal „Kraftklub“, auf die Frage, ob sie gerne reisen würden, kam die Antwort: „Die Welt steht uns offen, darum bleiben wir hier.“ Oft leistet die Reiseliteratur ihren Beitrag, um diese Ideologie zu stützen: ein wenig Reisen, ein wenig Ethno-Kitsch, ein wenig Exotismus, ein wenig post-koloniale Selbstkritik, im faulen Kern steckt trotz aller stilistischen Mühe der TUI-Katalog. Hinzu kommt eine fast schon hündische Unreflektiertheit der eigenen Gattung gegenüber: Wer braucht denn schon noch Reiseliteraten, die von fremden Städten & Menschen künden, wenn wir für 200 Euro nach Japan fliegen und pro Stunde 100 Fotos auf Plattformen veröffentlichen / einsehen können. Die Gattung hat sich in der Form selbst überlebt, sie hat ihre einstige privilegierte publizistische Legitimität längst verloren. Und doch: Kleinere Texte lesen müssen, in denen Autoren nach Abu Dhabi düsen, die Luft mit Kerosinabgasen zusprühen, sich Vollverschleierte anschauen und darüber reflektieren, dass das Hochwasser hier eine interessante Folge des Klimawandels sei.

30.01.2018 // „‚Ein Text ist beweglich‘, sagt Senthuran Varatharajah. Die Sprache, so fordert der junge Autor, der 2017 für sein Romandebüt ‚Vor der Zunahme der Zeichen‘ einen letzten Chamisso-Förderpreis erhielt, solle ähnlich in Bewegung sein wie die Figuren.“ (aus: Kurzfazit der Chamisso-Vorlesungen in München, SZ) /// der luxemburgischstämmige Autor Pierre Joris, der erst in Paris lebte, jetzt seit Jahrzehnten in New York, arbeitet ebenfalls an einer nomadischen Schreib-, Seh- und Lebensweise:

joris

Quelle

Bei SV ist diese Poetik auf dem Instagram-Account, auch eine öffentliche Darbietungsplattform, zu sehen: Viele Stories, kurze, 30sekündige Clips, die nur einmal betrachtet werden können. Zu sehen sind Bahnhöfe,  Metroschächte, urbane Ecken an allen möglichen Enden und Anfängen der Welt, ein Flugzeug im Taxi-Modus, das über Betonplatten rollt, und allem geht die Aura des Flanerie ab, das einstige Versprechen, das der gekonnten Bewegung innelag. Nirgends mehr der Dandy, der Genuß zieht aus seiner Umgebung, sie ästhetisiert mit Blicken & Worten. Das ist vorbei. Was bleibt, ist handelsübliche Mobilität, atemlos und klickbereit durch die Welt, bestenfalls ein Straßenschild, ein Romansatz als Anhaltspunkt.

29.01.2018 // Es gibt nur zwei Optionen, wie man sich ggüber den RKOL verhalten kann: verarscht werden oder Akademismus vorgeworfen bekommen.

daswetter_akademismus

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Interview-Aussage der RKOL-Leute (in: Wetter 14), auf dieses SZ-Portrait wird Bezug genommen.

27.01.2018 // Das neue Epigonentum lauert im Autorenbild, nicht mehr im Text / im Sound / in der Poetik. Und wie bei so vielem in der Gegenwartsliteratur zeigt sich auch hierhin die Dauerpräsenz der Üblichen, etwa: Kracht & Stucki.

 

 

 

24.01.2018 // Die Authentizität erlegt einem auf, wie man sprechen soll, nämlich immer im engmaschigen Verbund zwischen Erlebtem / Erfahrenem & dem Erschriebenen, nur diese TREUE Verknüpfung zwischen Leben & Lettern ist gültig, alles andere, die Abschweifung, die Lüge, die Prellung, das Hochstaplerische, die Übertreibung, die Verstellung, die Auslassung, die Verzerrung, das Erdachte, Hinzugefügte und Maskierte und Abgeschminkte – alle diese Spielarten des ZUSÄTZLICHEN / der GESTALTUNG sind nicht erlaubt, weil sie die ehrbare Verknüpfung zwischen dem, der lebt, und dem, der schreibt, stören / unterbinden. Die A. engt Literatur auf ihre weltliche Eigentlichkeit ein, sie zerstört / zersetzt Überschüssiges / Anderes (indem sie es verdächtigt, zu betrügen / zu manipulieren) und trainiert einem auf diese Weise einen urteilenden Blick an, der nur jene Behauptung zulässt, die deckungsgleich ist mit dem Behaupter. Der Autor beweist seinen Text qua Biograpie / Körper / Lebenserfahrung. Imagination ist suskept, artifizielle Ausstaffierung unnötige Deko, anti-biographische Kühnheit ein Vergehen. So sind alle Kategorien längst aufgeteilt, alle Stempel gezückt, jede Weltanschauung hübsch eingerastet. Vor dem Lesen ist nach dem Lesen.

 

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